Liebe werdenden Eltern!
Die Geburt in einem Geburtshaus stellt eine Alternative zur Klinikgeburt einerseits und zur Hausgeburt andererseits dar: Frauen, bei denen nach einer komplikationslosen Schwangerschaft eine ebenfalls unkomplizierte Geburt zu erwarten ist, können so im individuellen, familiären und privaten Ambiente des Geburtshauses ihr Kind zur Welt bringen und dürfen trotzdem ein hohes Maß an Sicherheit für Mutter und Kind in Anspruch nehmen. Unser Geburtshaus hat ein sehr bewusst durchdachtes Konzept der Betreuung von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Wir möchten unseren Frauen helfen, sich frei von äußeren Zwängen auf das wunderbare Ereignis der Geburt des Kindes vorzubereiten. Wir wollen dazu ermuntern, auf die eigenen Instinkte zu vertrauen und die Schwangerschaft wie auch die Geburt selbst als natürliches, schönes und Glück bringendes Erlebnis zu empfinden. Bei der inhaltlichen und räumlichen Gestaltung unseres Geburtshauses sind wir bemüht, alle Dinge, die für die Frauen, deren Partner und selbstverständlich auch für das neugeborene Kind mit Unsicherheit, Fremdheit und Angst verbunden sind, konsequent zu vermeiden. Unsere Geburtshilfe orientiert sich daher am natürlichen Verständnis von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der modernen Medizin sowie naturheilkundlicher und medizinnaher Lehren. Wir hoffen auf diese Weise, dass wir die schwierige Balance zwischen natürlicher Geburt und hohem Sicherheitsstandard für Mutter und Kind auf für Sie angenehme Weise bewältigen.
Die Geburt wird in unserem Geburtshaus von einer unserer freiberuflichen oder angestellten Hebammen begleitet. Wir verstehen uns als Gäste Ihrer Geburt, die Ihnen mit unserer Erfahrung und mit unserem fachlichen Wissen in diesen wichtigen und aufregenden Stunden zur Seite stehen. Es ist unser Prinzip, dass in der Endphase der Geburt eine zweite Mitarbeiterin unserer Praxis in der Nähe ist, um bei Bedarf der Hebamme zur Hand gehen zu können und ihr ggf. mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Häufig wird dies eine weitere Hebamme sein, gelegentlich nimmt diesen Platz auch unser Arzt ein, der sich bei der unkomplizierten Geburt ausdrücklich als Helfer der Hebamme versteht und nicht maßregelnd in die Geburtsbegleitung der Hebamme eingreifen wird.
Wir sind in der glücklichen Lage, im Falle einer Komplikation auf ärztliche Geburtshilfe zurückgreifen zu können. Durch Zusammenarbeit unserer Praxis mit Herrn Dipl. med. El-Azzami Facharzt für Geburtshilfe wird sich ein aus unserer Sicht optimales Teamwork-Prinzip zwischen Hebammen und Arzt bewähren. Sollte es zu Abweichungen vom normalen Geburtsverlauf kommen, kann der Arzt die Hebamme mit seinem Rat unterstützen und die notwendigen Schritte ohne Zeitverzug und Verständigungsprobleme einleiten.
Wir werden unseren Arzt in der Regel bei jeder Geburt informieren, so dass wir bei Bedarf oder auf Ihren Wunsch in der Schlussphase der Geburt jederzeit ärztlichen Beistand in Anspruch nehmen können.
Wir sind davon überzeugt, dass für eine wirklich beglückende Geburt in erster Linie Vertrauen und Vertrautheit wichtig sind: Vertrauen zwischen der Schwangeren und ihrer Hebamme, Vertrautheit mit den Räumen und mit den Methoden des Geburtshauses, Vertrauen in das eigene Gebären- Können, Vertrautheit auch mit den Schwächen und Ängsten der an der Geburt Beteiligten. Deshalb ist es für uns wichtig zu betonen, dass in jeder Phase der Geburt - also sowohl vor der Aufnahme in das Geburtshaus als auch während der Geburt- eine Veränderung Ihrer Vorstellungen hinsichtlich des Geburtsortes Ihres Kindes möglich ist. Sie können also jederzeit in die Klinik wechseln, wenn Sie irgendwie ein ungutes Gefühl haben. Sie müssen uns dies weder begründen noch rechtfertigen - wir werden diesen Schritt selbstverständlich akzeptieren und unterstützen. Natürlich müssen auch wir uns das Recht vorbehalten, Ihnen die Klinikgeburt anzuraten, wenn wir Gefahren für Sie oder Ihr Kind erkennen sollten. Wir glauben, dass bei einem vertrauensvollen und offenen Austausch zwischen uns dies keinerlei Probleme bereiten wird. Und natürlich hoffen wir, dass dies die seltene Ausnahme bleiben wird und dass in den meisten Fällen Mutter, Vater und Kind glücklich und gesund die Geburt in den Räumen unseres Geburtshauses erleben können.
Ihr Geburtshausteam
Welche Voraussetzungen müssen für eine Geburtshausgeburt/ Hausgeburt erfüllt sein?
Ab dem Tag des berechneten Geburtstermins wünschen wir uns einen engeren Kontakt mit Ihnen, damit wir uns gemeinsam auf die bevorstehende Geburt einrichten und wichtige geburtshilfliche Fragen wie z.B. die Plazentafunktion im Auge behalten können. Das bedeutet, dass wir uns zunächst umtägig, später täglich mit Ihnen in unserer Praxis verabreden, um nach Ihnen und Ihrem Kind zu sehen und das weitere Vorgehen abzusprechen. Die meisten Frauenärzte sind mit diesem Modus einverstanden, weil sie verstehen, dass in der außerklinischen Geburtshilfe, bei der sich im Unterschied zur Klinik mehrere Personen Tag und Nacht für die Geburt Ihres Kindes bereithalten und ihren Tagesplan nach Ihrem Geburtsbefund richten müssen, ein besonders enger Kontakt zwischen uns notwendig ist. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihr Frauenarzt eine andere Vorgehensweise wünscht, bitten wir Sie um eine kurze Information, damit sich unser Arzt diesbezüglich mit seinem Kollegen verständigen kann.
Der richtige Zeitpunkt, das Geburtshaus anlässlich des Geburtsbeginns aufzusuchen, ist leider oft sehr schwer herauszufinden. Deshalb gilt bei uns der Grundsatz: Im Zweifelsfall lieber die Hebamme einmal zu früh aus dem Bett klingeln, als voller Angst und Unsicherheit zu Hause den eigenen Körper zu beobachten.
In den folgenden Situationen sollten Sie jedoch in jedem Falle kommen bzw. Rücksprache mit uns nehmen:
Sie haben die Möglichkeit, im Rahmen der Geburtsvorbereitung und ebenfalls durch unsere anderen Kurse, alle Hebammen unserer Praxis gut kennen zulernen. Trotz individueller Nuancen bei der Betreuung unserer Schwangeren haben alle Mitarbeiterinnen unserer Praxis grundsätzlich das gleiche Verständnis von Zuwendung, Begleitung, Beistand, freundlicher Nähe, toleranter Offenheit und vorsichtiger Behutsamkeit im Umgang mit Ihnen, Ihrem Partner und Ihrem Kind. Wir orientieren uns bei der personellen Organisation der Begleitung Ihrer Geburt an Ihren Wünschen. Wir müssen Sie um Verständnis bitten, dass sich z.B. bei der Überlappung mehrerer Geburten, im Urlaubs- oder Krankheitsfall oder in anderen "Engpass-Situationen" u. U. auch eine andere von unseren Ihnen bekannten Hebammen um Sie kümmern wird. Sie brauchen sich jedoch nicht zu sorgen: alles wird dennoch sehr familiär sein, und Sie werden keinesfalls ein "Schichtwechsel-Gefühl" erleben müssen.
Wenn Sie glauben, dass die Geburt begonnen hat, rufen Sie bitte Ihre Wahlhebamme an. Beim Vorgespräch erhalten Sie eine Übersicht sämtlicher Rufnummern unserer Hebammen. Sie erreichen sie vorzugsweise unter der Funk-Nummer, sollte sich dort niemand melden, können Sie die Privat-Nummer wählen. Sollten Sie auch dort keinen Erfolg haben - was theoretisch eigentlich nicht vorkommen kann -, rufen Sie bitte die Praxis oder einen anderen Mitarbeiter an. Sprechen Sie bitte immer eine kurze Information auf Anrufbeantworter oder Mailbox – manchmal befindet sich die Hebamme nur kurzzeitig in einem "Funkloch" und kann sie so gleich zurückrufen. Gelegentlich müssen wir auch praxisinterne Rufumleitungen zwischen den Hebammen vornehmen – lassen Sie sich deshalb nicht verwirren, wenn sich eine andere Hebamme melden sollte. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir diese "Hotline" nur für die Zeit der Geburt und der unmittelbaren Nachsorge im Wochenbett bereitstellen können. Wenn Sie später Probleme oder Sorgen haben, stehen wir Ihnen unter der normalen Praxis-Verbindung zur Verfügung, die auch eine Notfall-Variante enthält.
Prinzipiell besteht in unserem Geburtshaus der Grundsatz, dass wir nach Möglichkeit jeden Eingriff in den natürlichen Geburtsverlauf vermeiden wollen. Sollte es jedoch nach sorgfältigem Risiko-Nutzen-Abwägen dennoch sinnvoll sein, z.B. ein Medikament anzuwenden, werden wir jede Maßnahme vorher mit Ihnen besprechen. Das bedeutet: wir erklären Ihnen den Grund für das beabsichtigte Eingreifen, wir sagen Ihnen, was wir vorhaben und welche Wirkungen wir uns davon erhoffen, mit welchen Nachteilen Sie rechnen müssen und welche Alternativen es gibt. Sie können sich vorstellen, dass die Frauen in der oft angespannten Situation der Geburt u. U. von derartigen Erörterungen überfordert sind. Deshalb wollen wir häufige Situationen bereits vor der Geburt mit Ihnen besprechen und das beabsichtigte Verhalten klären. Sollten Sie in den angesprochen Situationen ein anderes Vorgehen wünschen, werden wir dies in der Dokumentation des Vorgesprächs entsprechend vermerken.
Wir empfehlen Ihnen, dass wir während der Geburt von Zeit zu Zeit die Herztöne des Kindes mit einer Ultraschalltechnik, dem so genannten Doppler oder wenn notwendig mit dem CTG, aufzeichnen. Dies erlaubt uns einen zuverlässigen Rückschluss auf das Wohlbefinden Ihres Kindes. Viele Frauen wünschen, dass die CTG-Überwachung über weite Strecken der Geburt erfolgt, andere lehnen die Technik ganz ab. Bitte besprechen Sie mit uns im Vorgespräch, welchen Umfang der Überwachung Sie sich vorstellen. Sollte es unter der Geburt einen Anlass geben, von dieser Absprache abzuweichen, können wir unser Verhalten selbstverständlich jederzeit den Erfordernissen der Situation anpassen. Unsere CTG-Geräte entsprechen dem neusten technischen Stand und erlauben auch unmittelbar vor der Geburt des Kindes noch ausgezeichnete Herztonableitungen, so dass wir die so genannte "interne Ableitung" über eine Kopfelektrode prinzipiell nicht anwenden.
Wir sind sehr zurückhaltend bei der Beeinflussung der Wehentätigkeit. Wir glauben, dass dadurch die Geburt zwar etwas länger dauern kann, aber wesentlich sanfter und komplikationsloser verläuft. Unserer Erfahrung nach werden die Wehen von sehr vielen - z. T. auch äußeren - Faktoren beeinflusst. Wir wollen immer zuerst solche Störungen erkennen und beheben, ehe wir zu Medikamenten greifen. Nur wenn es keine Alternative gibt und die Geburt auch nach Anwendung natürlicher oder homöopathischer Methoden nicht vorangeht, würden wir Ihnen zur Stimulation der Wehen durch das Hormon Oxytocin raten, das wir Ihnen dann nach vorheriger Absprache mit Ihnen und dem Arzt i.d.R. in Form einer Infusion zuführen.
Wenn die Frau entspannt und ruhig ist, sind Schmerzmittel glücklicherweise kaum notwendig. Deswegen trauen wir dem warmen Bad im Kerzenschein und der entspannenden Musik oft mehr schmerzstillende Potenz zu als verschiedenen Medikamenten. Wir haben gute Erfahrungen mit der Anwendung naturheilkundlicher Mittel, mit denen wir die meisten Probleme sehr sanft beheben können. Selbstverständlich lassen wir Sie nicht allein, wenn die Schmerzen so stark sein sollten, dass sie den Fortgang Ihrer Geburt behindern. Wir haben in dieser Situation eine breite Palette schmerzstillender Mittel zur Verfügung: homöopathische und pflanzliche Präparate ebenso wie chemisch definierte Pharmaka.
Natürlich
ist es uns am Liebsten, wenn weder Spritze noch Tropf während der Geburt
Anwendung finden. Fast immer können wir derartige Maßnahmen auch umgehen.
Gelegentlich brauchen wir jedoch diese Hilfsmittel, z.B. wenn
Viele Geburtshelfer befürworten eine prinzipielle Verabreichung von Medikamenten, die Nachblutungen durch unzureichende Kontraktion der Gebärmutter nach der Geburt verhindern sollen. Der Nutzen dieser prophylaktischen Maßnahme wird gegenwärtig sehr kritisch diskutiert. Wir empfehlen Ihnen deshalb die Anwendung solcher Arzneimittel nur in den Fällen, wenn tatsächlich eine Nachblutungsgefahr besteht oder wenn wir den Eindruck haben, dass sich Ihre Gebärmutter nicht ausreichend kontrahiert. Ansonsten nutzen wir bevorzugt das "natürliche" Wehenmittel Ihres Körpers, das beim Stillen produziert wird, oder völlig nebenwirkungsfreie naturheilkundliche Präparate oder Akupunktur, um die Kontraktion der Gebärmutter zu unterstützen. Bitte teilen Sie uns im Vorgespräch mit, wenn Sie dennoch die pauschale prophylaktische Gabe der Kontraktionsmittel wünschen. Wenn absehbar ist, dass wir Sie im Verlauf der Geburt mehrmals stechen müssten, oder wenn eine Infusion angeraten erscheint, dann empfehlen wir Ihnen, dass wir eine kleine Plastikkanüle über kurze Zeit in Ihrer Vene belassen. Dies ist ungefährlich und behindert Sie kaum, Nebenwirkungen wie z.B. leichte Venenentzündungen sind extrem selten.
Wir wissen, dass es in der für das Kind schwierigen Phase der Geburt entscheidend wichtig ist, dass sich das Neugeborene möglichst schnell wieder beruhigt und keine Angst hat. Dies wird am ehesten an Ihrer Brust, nahe dem vertrauten Herzschlag der Mutter der Fall sein. Dieser innige Kontakt zwischen Mutter und Kind ist eine Sternstunde Ihres Lebens. Wir wollen dabei möglichst wenig stören und Sie ganz in Ihrem Glück belassen. Das bedeutet,
Auch Sie können dazu beitragen, in dem Sie das Kind möglichst wenig - z.B. durch Blitzlicht - stören und beunruhigen.
Die ärztlichen Fachorganisationen empfehlen die Durchführung einer Augenprophylaxe beim Kind unmittelbar nach der Geburt, um z. T. gefährliche Infektionen der Augen durch im Geburtskanal befindliche Keime zu vermeiden. Es wird dabei ein Keim abtötendes Medikament in die Augenwinkel des Neugeborenen getropft. Die medizinische Fachwelt ist derzeit uneins über den tatsächlichen Wert dieser Maßnahme, die beim Neugeborenen gelegentlich eine flüchtige Bindehautreizung auslösen kann. Viele Frauen bezweifeln die Notwendigkeit dieser Prophylaxe, weil das Vorhandensein solcher Keime in der Scheide der Frau eher unwahrscheinlich ist.
Wir verstehen diese Argumentation und befürworten den Verzicht auf die Augenprophylaxe, wenn Sie sich sicher sind, dass Ihre Scheide nicht mit dem Keimen Neisseria gonorrhoeae, dem Erreger der Geschlechtskrankheit "Tripper", bzw. B- Streptokokken, die unter ungünstigen Umständen eine Abschwächung der kindlichen Abwehr nach der Geburt verursachen, besiedelt ist. Im Geburtshaus haben wir eszur Pflicht gemacht bereits in der 35. SSW ein Abstrich abzunehmen um die Besiedelung von Keimen und Pilzen auszuschließen oder rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten. Eine Geburt im Geburtshaus oder Hausgeburt lehnen wir ohne diese Untersuchung ab, da das Risiko sehr hoch ist, dass bei der Geburt die o.g. Bakterien, falls sie vorhanden sind, dem Kind ernsthaften Schaden zufügen könnten. Das hätte zur Folge, dass wir Ihr Kind bei einer Infektion, die sich oft erst nach 4-8 h bemerkbar macht, ins Krankenhaus verlegen müssen und dort mit Antibiotika versorgt würde.
Durch die Gabe dieses Vitamins sollen Hirnblutungen beim Kind vermieden werden. Das Präparat wird als Tropfen in den Mund des Kindes verabreicht. Nachteile dieser Art der Anwendung sind uns nicht bekannt. Sollten Sie unsicher sein, empfehlen wir Ihnen, Ihren Kinderarzt um Rat zu fragen. Die Gabe des Vitamins ist in unserer Praxis gleich nach der Geburt möglich, wenn Sie dies wünschen.
Seitens der Kinderchirurgie wird den Geburtshelfern empfohlen, nach der Geburt die Speiseröhre des Kindes mit einem kleinen Absauger zu sondieren. Mit dieser nicht unumstrittenen Maßnahme möchte man sichergehen, dass die Speiseröhre durchgängig ist. Die Verlegung der Speiseröhre ist eine seltene Fehlbildung, die rechtzeitig erkannt und chirurgisch versorgt keine Folgen für das Kind haben wird. Wir sind skeptisch, ob angesichts der sehr geringen Wahrscheinlichkeit und der meist doch sehr deutlichen äußeren Anzeichen dieser Fehlbildung dieser für Ihr Kind doch recht belastende und in jedem Fall beunruhigende Eingriff ohne das Vorliegen verdächtiger Symptome gerechtfertigt ist. Sofern Sie es nicht ausdrücklich wünschen, würden wir deshalb bei einem völlig unauffälligen Kind gern auf diese Maßnahme verzichten.
In den
Geburtskliniken entnehmen die Hebammen nach Abnabelung des Kindes der noch in
der Scheide liegenden Nabelschnur eine kleine Blutprobe und bestimmen den
Säuregehalt des kindlichen Blutes zum Zeitpunkt der Geburt. Die medizinische
Fachwelt ist sich inzwischen einig, dass dieser pH-Wert keine Beurteilung des
aktuellen Gesundheitszustandes Ihres Kindes erlaubt, sondern nur Hinweise auf
eine chronische Sauerstoffversorgungsstörung in den letzten Wochen der
Schwangerschaft gibt. Somit hat dieser Wert keinerlei unmittelbare Konsequenzen
für die Behandlung Ihres Kindes, sondern dient lediglich der juristischen
Dokumentation wesentlicher Geburtsparameter. Unsere Handlungen richten wir wie
überall auf der Welt jedoch immer nach dem tatsächlichen Zustand Ihres Kindes,
den wir nach dem allgemein anerkannten Bewertungsschema "APGAR-Score"
einschätzen und dokumentieren. Die Bestimmung des Nabelschnur-pH-Wertes ist in
unserer Praxis nicht möglich.
Trotz
einer modernen Ausstattung unseres Geburtshauses gibt es einige Unterschiede
zur Klinikgeburt. Wir sind zwar der Meinung, dass die angstfreie Atmosphäre ein
wichtiger Faktor zur Vermeidung von Komplikationen ist, dennoch müssen wir die
Möglichkeiten und Grenzen der Geburtshausgeburt/ Hausgeburt klar
aussprechen.
Wir können keinen Kaiserschnitt durchführen und müssen Sie dazu ggf. in die nächstliegende Klinik verlegen. Nicht immer wird jedoch nach einer Verlegung tatsächlich ein Kaiserschnitt notwendig sein.
Wir haben keine Blutkonserven vorrätig und müssen schwere Blutungen bis zum Eintreffen des Notdienstes mit Blutersatzmitteln behandeln oder unter Umständen in die Klinik verlegen.
Wir verfügen nur über sehr begrenzte Möglichkeiten der intensivmedizinischen Betreuung für Mutter und Kind und sind im Notfall auf den kurzfristig erreichbaren Notdienst angewiesen.
Im Falle einer Verlegung indie Klinik nutzen wir i. d. R. Rettungswagen des örtlichen Rettungssystems. Prinzipiell begleiten wir die Mutter bis zur Klinik. Im Moment haben wir vertraglich die Möglichkeit, dass unsere Hebammen auch nach einer Verlegung bei Ihnen bleiben und Sie bis nach der Geburt begleiten: Sollte sich eine Übergabe an eine Klinikhebamme nicht vermeiden lassen sind wir unsererseits zwingend auf den Beistand des Klinikpersonals angewiesen. Daraus resultierende Kommunikationsprobleme gehen zu Lasten der Betreuung der Gebärenden. Andererseits finden Sie im Verlegungsfall in der Klinikhebamme eine motivierte, kompetente und vor allem ortskundige Partnerin, was die Nachteile des "Personalwechsels" eindeutig relativiert.
Unsere
Art der Geburtshilfe wird in zahlreichen ähnlich konzipierten Hebammenpraxen
und Geburtshäusern in Deutschland umgesetzt. Die positiven Erfahrungen mit der
ambulanten Geburt rechtfertigen unsere Anschauung von der Begleitung der Familie
durch diese wichtige Zeit. In einigen Ländern Europas zählt die ambulante
außerklinische Geburt längst zur Normalität. Dennoch dürfen wir nicht
verschweigen, dass sich einige Ärzte gegen diese Art der Geburtshilfe
aussprechen. Sie sind der Meinung, dass Frauen, die außerhalb der Klinik
gebären, potentielle Risiken für sich und ihr Kind eingehen.
Prinzipiell
gilt der Grundsatz: niemand wird rausgeworfen. Unsere Räume bieten so viele
Möglichkeiten, dass Sie und Ihre Familie sich in Ruhe von der Geburt erholen
können. Natürlich müssen wir dabei um Verständnis für den laufenden
Praxisbetrieb, für eventuelle weitere Geburten und für unsere eigenen
Konditionsgrenzen bitten. Wir sichern Ihnen jedoch zu, dass Sie in den ersten
Stunden nach der Geburt immer eine unserer Mitarbeiterinnen in Ihrer Nähe
haben. In der Regel sind Mutter, Kind und Vater nach 4 bis 6 Stunden so fit, dass
sie meist nichts mehr in unserem Haus hält. Sollten Sie jedoch zu schwach sein,
können Sie länger bei uns bleiben. Wir müssten uns dann jedoch mit Ihrem
Partner in die Betreuungsaufgaben teilen.
Welche Hebamme die Nachsorge im Wochenbett übernimmt, können Sie bereits während der Kurse mit den Hebammen absprechen. Wir besuchen Sie in den ersten Tagen nach der Geburt täglich. Wir sind in dieser Zeit auch telefonisch für jeden Rat erreichbar. Die Einzelheiten dazu können Sie mit der Sie betreuenden Hebamme individuell vereinbaren. Es besteht die Möglichkeit, bei Ihrer Krankenkasse für die Zeit, die Sie sonst in der
Klinik verbracht hätten, eine Haushalthilfe zu beantragen. Die meisten Krankenkassen genehmigen diesen Antrag zumindest für die Wochentage dieser 6-Tage-Frist. Sie können das entsprechende Antragsformular bereits vor der Geburt bei der Kasse anfordern. Wir stellen die notwendige Bescheinigung nach der Geburt gern aus.
Die Erstuntersuchung Ihres Kindes (U1) erfolgt im Geburtshaus durch uns. Für die zweite Untersuchung (U2 nach etwa 5 Tagen) sollten Sie Kontakt mit einem Kinderarzt aufnehmen, der Sie zu Hause besucht. Wir raten Ihnen, bereits vor der Geburt Ihres Kindes die Verbindung mit dem Kinderarzt herzustellen, damit Sie einen Ansprechpartner Ihres Vertrauens auswählen können
4-6
Wochen nach der Geburt sind Sie zum Rückbildungskurs wiederum in unsere Praxis
eingeladen. Da dieses Wiedersehen mit den anderen Kursteilnehmerinnen sehr
beliebt ist, sollten Sie sich möglichst bald nach der Geburt anmelden. Dazu
können Sie gern auf unserer Homepage im Punkt „Angebote / Rückbildung“ lesen
Änderungen der Kosten bleiben in Anlehnung an eventuell steigende Betriebskosten vorbehalten und sind in der aktualisierten Infomation nachzulesen. Die Informationen in diesem Text sind ab dem Zeitpunkt der Aktualisierung geltend. Alle vor dem Termin ausgehändigten Broschüren behalten Ihre Gültigkeit. Aktualisiert am: 18.03.2011
